Breiten- und Leistungssport

Struktur des eSports in Deutschland

eSport in Deutschland entwickelt sich seit knapp einem Jahrzehnt sehr dynamisch und erreicht inzwischen auch in Deutschland knapp 3 Millionen eSport-begeisterte Menschen. Grundlegend dafür ist die tiefe gesellschaftliche Verwurzelung von Computer- und Videospielen in der deutschen Gesellschaft und der Aufbau von langjährigen Strukturen, die das Rückgrat der aktuellen Entwicklung darstellen, sowie neue Distributionswege über Streaming-Plattformen wie Twitch und YouTube, die Interessierten einen sofortigen und kostenfreien Zugriff auf eSport-Übertragungen bietet. Dabei hat sich eSport lange Zeit als generisch digitale Sportbewegung fast ausschließlich über Online-Strukturen entwickelt. Die genauen Zahlen sind hier naturgemäß schwer zu erfassen. Man geht von 40.000 bis 150.000 losen Organisationen (sog. „Clans“ oder Teams) im Gaming-Bereich aus. Nicht alle davon betreiben regelmäßigen eSport, allerdings sind viele im eSport-Bereich zumindest teilweise verankert.

Wie aus dem traditionellem Sport bekannt, besteht auch im eSport eine pyramidenhafte Organisierung: die Basis, das Fundament, bilden die Spieler/innen, die sich individuell, auf Spielplattformen und -netzwerken oft online mit den eSport-Titeln auseinandersetzen und in das aktive Spielgeschehen einsteigen. Dieser Bereich ist häufig nur durch die Spielentwickler,Publisher und digitale eSport-Plattformen organisiert und verbleibt weitestgehend unstrukturiert. Die Spitze der eSport-Pyramide bildet der professionelle und semi- professionelle eSport, zu dem nur einige wenige Spitzen-Athlet/innen Zugang haben. Dazwischen bestand im Mittelbau der eSport-Spielerschaft bisher eine große Leerstelle, die ohne Struktur und Organisierung verblieb. Hier finden seit einiger Zeit zunehmend eSport-Vereine und Sportvereine mit eSport-Abteilungen ihren Platz, die mit Trainingsangeboten und sozialem Umfeld für Spieler/innen spannende Mehrwerte im eSport-Breitensport bieten können.

Amateur- und Breitensport im eSport

Seit 2016 erlebt, getrieben durch die öffentliche Diskussion, das Konzept der Vereinsorganisierung imeSport eine Renaissance. Insgesamt 58 eSport-Vereine, zumeist gebunden an einen regionalen Standort, und 25 Mehrspartenvereine mit eSport-Angebot zählt der ESBD in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt. Etablierte Vereine erhoffen sich hier die Gewinnung jüngerer Mitglieder und die Sicherung der Attraktivität des Vereinslebens auch im Rahmen der Digitalisierung sowie die Stärkung ihres sportlichen Kerns. Dabei ist für das Jahr 2018 im eSport ein aktives Gründungsgeschehen festzustellen: 22 eSport-Vereine und eSport- Abteilungen befinden sich im Aufbau und werden dabei in vielen Fällen vom ESBD beraten. Damit ergibt sich ein Potential von über 100 Vereinen, die in Deutschland im eSport tätig sind oder tätig werden wollen.

Mit der Gründung des ESBD als sportverbandliche Organisation von Vereinen, Teams und Veranstaltern im November 2017 hat sich eine neue Organisationsebene im eSport ergeben. Ziel des ESBD ist es, der derzeitigen eSport-Landschaft in Deutschland eine Struktur zu geben, die nicht nur entsprechend der Bedürfnisse seiner Mitglieder die sportlichen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen verbessert, sondern gleichzeitig auch ein kooperatives Verhältnis zum klassischen Sport begründet. Mit der wirtschaftsorientierten Organisierung „game.eSports“ des Verbandes der deutschen Games-Branche arbeitet der ESBD in übergreifenden Herausforderungen und Themen eng zusammen.

Leistung- und Spitzensport im eSport

Der deutsche eSport wird im Segment des Leistungs- und Spitzensport durch große Teams mit hohem internationalem Renomee und großer Erfahrung von teilweise über 15 Jahren geprägt. Hierbei haben sich die Teams insbesondere in den Bereichen Counter-Strike und League of Legends einen Namen gemacht – Titel, die wohl die größte Fächerung an professionellen Wettkämpfen besitzen. Darüber hinaus sind deutsche eSport-Teams im Leistungssport ebenfalls erfolgreich in vielen weiteren Disziplinen wie der FIFA-Reihe, Dota 2 oder Rocket League unterwegs.

Der Leistungs- und Spitzensport zeichnet sich dabei in Abgrenzung zu den Amateuren insbesondere durch tiefgehende vertragliche Verpflichtungen von Spielern gegenüber ihren Organisationen und von diesen wiederrum gegenüber Sponsoren und Wettkampfanbietern aus. Der Spielbetrieb ist dabei stark durchstrukturiert und verhält sich damit parallel zum professionellen Betrieb der traditionellen Sportarten. Spieler sind Botschafter für Marken und ihre Teams und kämpfen auf großen Turnieren um bis zu 7-stellige Preisgelder. Leistungen werden durchgehend gemessen, verglichen und durch Trainer auf spielerischer, phyischer und psychischer Ebene verbessert. Ebenso zeichnet sich der professionelle Markt durch das Zahlen von hohen Transfersummen aus, welche momentan ihren Spitzenwert in einem Transfer 2017 gefunden haben, welcher sich auf über eine halbe Million Euro an Ablöse für einen einzelnen Spieler belief.

Die Spieler dieser Teams verdienen häufig mit dem wettkampfbasierten Spielen ihren Lebensunterhalt und sind damit Berufssportler. Einige Teams sind als Werksteam bzw. Werksmannschaften im eSport organisiert.  Valide Zahlen zu professionellen eSport-Athlet/innen wurden bisher nicht erfasst. Expert/innen schätzen hier eine mittlere dreistellige Anzahl an eSport-Profis, die mit ihrer Tätigkeit zumindest einen relevanten Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten können. Eine genauere Erfassung dieses Bereichs ist eine zukünftige Aufgabe des Verbandes.

Nicht zuletzt wird die Situation in Deutschland aktuell durch das zunehmende Interesse von Fußball-und Basketballclubs, und weiteren Akteuren aus dem traditionellen Sport geprägt, die mit unterschiedlichen Angeboten und Schwerpunkten den Einstieg in den eSport suchen. Insgesamt zählt der ESBD aktuell 16 dieser traditionellen Sportstrukturen mit eSport-Engagement, vor allem aus dem Fußball, Basketball und Eishockey.