„Ausradieren“ und „Blutrünstig“ – ESBD befürchtet sprachliche Verrohung der Debatte durch Skeptiker und schlägt eSport-Ausschuss vor.

Pressemitteilung. Berlin, 30. November 2018.

Kurz vor der Mitgliederversammlung des DOSB in Düsseldorf verschärft sich nach Eindruck des eSport-Bund Deutschland (ESBD) der Ton bei Gegnern einer Anerkennung von eSport als Sportart. Der hessische Innenminister Peter Beuth forderte, man müsse den Begriff eSport „ausradieren“. Der Präsident des LSB Sachsen-Anhalt, Andreas Silbersack, sprach von „blutrünstigen“ Spielen im Zusammenhang mit eSport. Der ESBD befürchtet negative Auswirkungen auf einen bisher weitestgehend von Respekt geprägten Prozess. „Die Äußerungen in den letzten Tagen lassen eine zunehmende sprachliche Verrohung der Debatte über eSport erkennen. Anstatt sich mit den Sachfragen auseinanderzusetzen, verfallen einige in pure Polemik. Diese verschlossenen Türen wird man später nur schwer wieder aufbekommen“, merkte ESBD-Präsident Hans Jagnow an.

In einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung sagte Andreas Silbersack, dass in eSport-Spielen „Menschen abgeschlachtet werden“ und die Inhalte blutrünstig wären. Martin Müller, ESBD-Vizepräsident und Vorsitzender des Vereins Magdeburg eSports e.V., kommentiert dazu: „Es ist schade, dass gerade von einem Vertreter des Sports aus Sachsen-Anhalt so eine uninformierte Äußerung kommt. Wir haben in dem Bundesland eine große politische Offenheit und den größten eSport-Verein in Deutschland. Herr Silbersack ist eingeladen, unseren Verein in Magdeburg zu besuchen – wir erklären ihm eSport und insbesondere Chancen für die Breitensportorganisierung gerne praktisch vor Ort.“

Schon am Anfang der Woche wurde folgende Äußerung des hessischen Innenministers durch einen Bericht des Dortmunder Echo bekannt: „E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren.” Jagnow twitterte daraufhin: „Diese unangemessene Wortwahl von Peter Beuth hat mit einer sachlichen Debatte nicht mehr zu tun. Diese Rethorik treibt einen Keil in den Dialog mit dem Sport. Unfassbar!“ und forderte eine Entschuldigung des hessischen Innenministers. Auch inhaltlich kritisiert Jagnow die weiteren Äußerungen. Der ESBD bot am Dienstag dem hessischen Innenminister ein kurzfristiges Gespräch zu Klärung an, das Angebot blieb bisher ohne Reaktion.

„Gerade reden viele nur über eSport statt mit ihm. Das ist kontraproduktiv und entspricht auch nicht unserer Vorstellung eines gesellschaftlichen Dialogs. Wir müssen die gute Arbeitsebene, die wir über das Jahr zwischen traditionellem Sport und eSport aufgebaut haben, weiter nutzen. Wir halten es für sinnvoll, einen dauerhaften eSport-Ausschuss zwischen dem ESBD, dem DOSB und weiteren Akteuren einzurichten“, schlägt ESBD-Präsident Jagnow vor. In einem gemeinsamen Rahmen könne man so die bestehenden Fragen klären und sich weiter über praktische Zusammenarbeit kennenlernen. „In so einem gemeinsamen Format können wir so auch die verbindenden Werten im Sport und eSport und bestehenden Vorbehalten diskutieren.“